Gold
Das älteste Wertaufbewahrungsmittel – ohne Zins, ohne Gegenpartei
Was ist das?
Gold ist ein chemisches Element, das seit über 5.000 Jahren als Schmuck, Zahlungsmittel und Wertspeicher dient. Es rostet nicht, ist selten und weltweit anerkannt. Bis 1971 war das Weltwährungssystem an Gold gebunden; heute ist es kein Geld mehr, aber ein Reserveaktivum von Zentralbanken und eine Anlageklasse für Privatanleger (Barren, Münzen, ETCs wie Xetra-Gold oder Euwax Gold).
Woher kommt der Wert?
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden. Sein Preis bildet sich aus Angebot (Minenförderung rund 3.000–3.600 t pro Jahr plus Recycling) und Nachfrage (Schmuck, Zentralbanken, Anleger, Industrie). Entscheidend sind Realzinsen (hohe sichere Zinsen machen zinsloses Gold unattraktiver), der Dollarkurs, Inflationssorgen und geopolitische Unsicherheit. Gold ist eine Versicherung ohne feste Prämie – und ohne Garantie, dass sie im Ernstfall zahlt.
Was beeinflusst den Preis?
- Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) – der wichtigste Einzelfaktor
- Käufe und Verkäufe der Zentralbanken (seit 2022 netto über 1.000 t pro Jahr)
- US-Dollar: Ein schwacher Dollar stützt den Goldpreis in Dollar
- Krisen, Kriege, Sanktionen (Nachfrage nach Anlagen außerhalb des Finanzsystems)
- Schmucknachfrage, vor allem in Indien und China
Chancen
- Kein Ausfallrisiko einer Gegenpartei (physisch)
- Historisch Kaufkrafterhalt über sehr lange Zeiträume
- Oft gegenläufig zu Aktien in Krisen – aber nicht immer
Risiken
- Lange Durststrecken: Vom Hoch 1980 (ca. 850 USD) dauerte es rund 28 Jahre, bis der Preis nominal wieder erreicht war – real noch länger
- Keine laufenden Erträge; Lager- und Versicherungskosten bei physischem Besitz
- Hohe Schwankungen (2013: −28 % in einem Jahr)
- Währungsrisiko für Euro-Anleger
- Gold schützt nicht zuverlässig in jeder Inflationsphase (1980–2000 verlor es real stark)
Kennzahlen – und was sie bedeuten
- Jemals gefördertes Gold
- rund 216.000 t (Ende 2024)
- Goldreserven Deutschland
- rund 3.350 t
- Preis unter Bretton Woods
- 35 USD je Unze (1934–1971)
- Historische Marken
- ca. 850 USD (Jan. 1980) · ca. 250 USD (1999–2001) · ca. 1.900 USD (Sept. 2011) · über 2.000 USD (2020) · über 3.000 USD (März 2025)
- Zentralbankkäufe
- über 1.000 t netto in 2022, 2023 und 2024
Alles Gold der Welt passt in einen Würfel von etwa 22 m Kantenlänge. Knappheit ist real, aber Gold wird fast nie verbraucht – der Bestand wächst jedes Jahr um 1–2 %.
Stand: World Gold Council
Zweitgrößter Bestand nach den USA (ca. 8.100 t). Lagerorte: Frankfurt, New York, London.
Stand: Deutsche Bundesbank 2024
Fester Preis, zu dem die USA Gold von Zentralbanken einlösten. Nach 1971 freier Marktpreis.
Stand: historisch
Zeigt sowohl das langfristige Steigen in Dollar als auch die jahrzehntelangen Rückschläge dazwischen.
Stand: Marktdaten, Rundungen; kein aktueller Kurs
Rekordniveau, vor allem durch Schwellenländer, die Reserven unabhängiger vom Dollar machen wollen.
Stand: World Gold Council, Gold Demand Trends 2024
Historische Entwicklung
ca. 600 v. Chr.
Erste Münzen aus Elektron (Gold-Silber) in Lydien.
1816–1914
Klassischer Goldstandard: Währungen zu festem Kurs in Gold einlösbar.
1933
USA verbieten privaten Goldbesitz (bis 1974) und werten den Dollar gegenüber Gold ab.
1944–1971
Bretton Woods: Dollar zu 35 USD je Unze an Gold gebunden.
1980
Nach den Ölkrisen und hoher Inflation Preisspitze bei etwa 850 USD – danach 20 Jahre Rückgang.
2001–2011
Zehn Jahre Aufwärtstrend auf rund 1.900 USD (Finanzkrise, Niedrigzinsen).
2013
Einbruch um 28 % in einem Jahr, als die US-Notenbank das Ende der Anleihekäufe ankündigte.
2022–2025
Rekordkäufe der Zentralbanken nach den Sanktionen gegen Russland; 2025 erstmals über 3.000 USD je Unze.
Denkbare Szenarien (keine Prognose)
Anhaltende Unsicherheit
Hohe Staatsschulden, geopolitische Spannungen und Zentralbankkäufe stützen die Nachfrage.
Hohe Realzinsen
Bleiben sichere Zinsen deutlich über der Inflation, verliert zinsloses Gold an Attraktivität – wie in den 1980er- und 1990er-Jahren.
Rolle im Portfolio
Viele Anleger halten einen kleinen Anteil (oft 5–10 %) als Beimischung. Das ist eine verbreitete Praxis, keine Empfehlung.