Finanzwelt

ETFs

Die in Deutschland beliebtesten Sparplan-ETFs plus wichtige Themen- und Anleihe-ETFs.

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, der einen Index wie den MSCI World oder den S&P 500 nachbildet und an der Börse gehandelt wird. Mit einem Kauf besitzt du anteilig Hunderte oder Tausende Aktien – breit gestreut, mit niedrigen Kosten und ohne Fondsmanager, der Aktien auswählt. In Deutschland sind ETF-Sparpläne der verbreitetste Weg, langfristig Vermögen aufzubauen.

Worauf du achten solltest

  • Index: Was steckt drin? „World“ heißt nur Industrieländer, „All-World“ oder „ACWI“ auch Schwellenländer.
  • Kosten (TER): 0,07–0,25 % pro Jahr sind günstig; Themen-ETFs kosten oft 0,4–0,7 %.
  • Ausschüttend oder thesaurierend: Dividenden aufs Konto oder automatisch wieder angelegt. Für den Vermögensaufbau ist Thesaurieren bequemer.
  • Replikation: physisch (Aktien werden gekauft) oder synthetisch (Tauschgeschäft mit einer Bank – bei US-Indizes steuerlich manchmal im Vorteil, mit kleinem Gegenparteirisiko).
  • Fondsgröße und Alter: große, alte Fonds werden selten geschlossen oder verschmolzen.
  • Steuern in Deutschland: Abgeltungsteuer auf Gewinne, bei Aktien-ETFs 30 % Teilfreistellung, jährliche Vorabpauschale bei Thesaurierern; 1.000 € Sparerpauschbetrag pro Person.
Vollprofil iShares Core MSCI World – wie ein ETF funktioniert →

So lief der MSCI World seit 2010 – gegen Tagesgeld

MSCI World (Aktien weltweit), Tagesgeld (Euro)0200400600200920122015201820212024
MSCI World (Aktien weltweit)Tagesgeld (Euro)Tippe auf das Diagramm für Werte

Index: 100 am Ende von 2009, Kalenderjahresrenditen in US-Dollar, ohne Kosten und Steuern. Vergangenheit ist keine Prognose. Quellen: MSCI: MSCI World Index Factsheet (Net Returns, USD) · LBMA: Gold Price (PM) – Jahresendwerte · CoinMarketCap / CoinGecko: Bitcoin-Jahresschlusskurse · Deutsche Bundesbank: Zinsstatistik, täglich fällige Einlagen privater Haushalte

Geschichte

  1. 1970er – Ökonomen wie Eugene Fama untersuchen, wie effizient Märkte Informationen verarbeiten. Daraus wächst die Idee, einfach den ganzen Markt zu kaufen, statt einzelne Gewinner zu suchen.
  2. 1976 – John Bogle legt bei Vanguard den ersten Indexfonds für Privatanleger auf, der den S&P 500 nachbildet. Anfangs wird er belächelt – heute gilt er als Ursprung des passiven Investierens.
  3. 1990 – An der Börse in Toronto startet ein börsengehandeltes Indexprodukt auf kanadische Aktien. Es gilt als einer der ersten Vorläufer heutiger ETFs.
  4. 1993 – In den USA kommt der SPDR S&P 500, genannt „Spider“, an die Börse. Er wird zum Vorbild für fast alle späteren ETFs und gehört bis heute zu den größten Fonds der Welt.
  5. 2000 – Die Deutsche Börse startet ein eigenes Handelssegment für ETFs auf Xetra. Damit sind ETFs erstmals in Deutschland börslich handelbar.
  6. 2010er – Online-Broker machen ETF-Sparpläne mit kleinen Raten und niedrigen Gebühren populär. Der ETF wird für viele Deutsche zum ersten Schritt an die Börse.
  7. 2018 – Mit der Investmentsteuerreform gelten in Deutschland neue Regeln: Teilfreistellung je nach Fondsart und die Vorabpauschale für thesaurierende Fonds.
  8. 2020er – Weltweit steckt ein immer größerer Anteil des Fondsvermögens in passiven Produkten. Damit wächst auch die Diskussion, welche Folgen das für Märkte und Unternehmen hat.

Gut zu wissen

Wie ein ETF im Inneren funktioniert

Ein ETF ist rechtlich ein Fonds, also Sondervermögen: Das Geld der Anleger wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft bei einer Verwahrstelle aufbewahrt. Geht der Anbieter pleite, gehört das Fondsvermögen weiterhin den Anlegern. Damit der Börsenkurs nah am tatsächlichen Wert der enthaltenen Aktien bleibt, können spezialisierte Händler (Authorised Participants) beim Anbieter Fondsanteile erzeugen oder zurückgeben. Weicht der Kurs ab, lohnt sich für sie dieser Ausgleich – und die Lücke schließt sich wieder.

Die Akteure hinter einem ETF

Der Indexanbieter – etwa MSCI, S&P Dow Jones Indices, FTSE Russell oder STOXX – legt fest, welche Wertpapiere im Korb sind. Der ETF-Anbieter, zum Beispiel iShares, Xtrackers, Vanguard oder Amundi, baut den Index nach und zahlt dafür Lizenzgebühren. Market Maker sorgen an der Börse für laufende Kauf- und Verkaufskurse. Dein Broker verbindet dich mit all dem und führt dein Depot.

Was „UCITS“ auf dem Fondsnamen bedeutet

UCITS, auf Deutsch OGAW, ist ein europäisches Regelwerk für Publikumsfonds. Es schreibt unter anderem Mindeststreuung, Verwahrung bei einer unabhängigen Stelle und regelmäßige Berichte vor. Fast alle ETFs, die du bei deutschen Brokern findest, folgen diesen Regeln. US-ETFs dürfen Privatanleger in der EU in der Regel nicht kaufen, weil ihnen das vorgeschriebene Basisinformationsblatt fehlt.

Tracking Difference: die echten Kosten

Die TER zeigt nur einen Teil der Kosten. Aussagekräftiger ist die Tracking Difference: der Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der seines Index über ein Jahr. Sie enthält auch Handelskosten im Fonds, Quellensteuern und Einnahmen aus der Wertpapierleihe. Manche ETFs liegen dadurch näher am Index, als die TER vermuten lässt, andere weiter weg.

ETFs im Alltag in Deutschland

Du kaufst ETFs über ein Depot, einmalig oder per Sparplan. Ausschüttungen und Verkaufsgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer; ein Freistellungsauftrag sorgt dafür, dass bis 1.000 € pro Person und Jahr keine Steuer abgezogen wird. Bei thesaurierenden Fonds wird Anfang des Jahres gegebenenfalls die Vorabpauschale fällig – dafür sollte etwas Geld auf dem Verrechnungskonto liegen. Hebel- und Short-ETFs funktionieren ganz anders als normale Index-ETFs und sind für kurzfristige Wetten gebaut.

Typische Anfängerfehler

  • ✕ Mehrere ETFs mit fast gleichem Inhalt kaufen (etwa MSCI World, S&P 500 und Nasdaq 100) und glauben, das sei Streuung.
  • ✕ Nur auf die TER schauen und Index, Fondsgröße und Tracking Difference ignorieren.
  • ✕ Themen-ETFs kaufen, nachdem ein Trend schon in allen Schlagzeilen ist.
  • ✕ Den Sparplan in einer Krise stoppen oder alles verkaufen.
  • ✕ Hebel- oder Short-ETFs langfristig halten, ohne ihre Funktionsweise zu verstehen.
  • ✕ Den Freistellungsauftrag vergessen und unnötig Steuern vorstrecken.
  • ✕ Ständig umschichten, weil gerade ein anderer ETF besser gelaufen ist.

Was diskutiert wird

Aktiv oder passiv?

Befürworter passiver ETFs sagen, niedrige Kosten und breite Streuung schlagen langfristig die meisten aktiven Fonds – das zeigen Auswertungen wie die SPIVA-Berichte immer wieder. Befürworter aktiver Fonds halten dagegen, dass gute Manager in Nischen, kleinen Märkten oder Krisen Vorteile haben können. Strittig ist vor allem, ob man diese Manager im Voraus erkennen kann.

Klumpenrisiko in Weltindizes

Weltindizes wie der MSCI World bestehen zu einem großen Teil aus US-Aktien, und darin wiederum aus wenigen großen Technologiekonzernen. Kritiker sagen, ein „Welt“-ETF sei deshalb weniger breit, als der Name verspricht. Befürworter der Marktgewichtung antworten, der Index bilde nur ab, wo der Börsenwert tatsächlich liegt, und passe sich automatisch an, wenn sich das ändert.

Zu viel Macht bei wenigen Anbietern?

Einige große Fondsgesellschaften halten über ihre Indexfonds Anteile an fast allen großen Börsenunternehmen und stimmen auf deren Hauptversammlungen ab. Kritiker sehen darin eine ungesunde Machtkonzentration und schwächeren Wettbewerb. Die Anbieter verweisen darauf, dass sie das Geld nur treuhänderisch verwalten und Anlegern zunehmend eigene Stimmrechte ermöglichen.

Verzerren Indexfonds die Märkte?

Kritiker argumentieren: Wenn immer mehr Geld nach Börsenwert verteilt wird, ohne dass jemand die einzelnen Firmen prüft, fließt Kapital automatisch zu den ohnehin Größten. Befürworter halten dagegen, dass weiterhin genug aktive Investoren Preise bilden und passive Anleger nur einen Teil des Handels ausmachen. Wissenschaftlich ist die Frage nicht abschließend geklärt.

Quellen: BaFin – Verbraucherinformationen zu Investmentfonds und ETFs · Bundesministerium der Finanzen – Investmentsteuergesetz (Teilfreistellung, Vorabpauschale) · Stiftung Warentest (Finanztest) – Ratgeber zu ETFs und Sparplänen · S&P Dow Jones Indices – SPIVA-Berichte zum Vergleich aktiver Fonds mit Indizes. Keine Prognosen, keine Empfehlungen.

Ausführliche Profile

Breite Aktien-ETFs (Welt, Regionen, Länder) · 16

Dividende und Nachhaltigkeit · 3

Themen-ETFs (höheres Risiko) · 3

Anleihen und Gold · 3

Kurzprofile ohne Kurse und Bewertungen – die ändern sich täglich und gehören in ein Depot-Tool, nicht in eine Lern-App. Stammdaten (ISIN, Kosten, Gründungsjahr) Stand 2025; vor einem Kauf immer beim Anbieter prüfen. ETF-Listen sind eine Auswahl der bekanntesten Werte, keine Rangliste und keine Empfehlung.