Indizes
Was hinter S&P 500, MSCI World, DAX und Co. steckt – und warum das für ETF-Anleger wichtig ist.
Ein Index ist ein rechnerischer Korb aus Wertpapieren, der die Entwicklung eines Marktes abbildet – der DAX für Deutschland, der S&P 500 für die USA, der MSCI World für die Industrieländer. Indizes kann man nicht direkt kaufen, aber ETFs bilden sie nach. Wer einen ETF wählt, wählt in Wahrheit einen Index: Er bestimmt, welche Länder, Branchen und Firmen im Depot landen.
Worauf du achten solltest
- Gewichtung: Meist nach Börsenwert – große Firmen zählen mehr. Der Nikkei und der Dow Jones gewichten nach Kurs, was methodisch veraltet ist.
- Abdeckung: „World“ ohne Schwellenländer, „ACWI“/„All-World“ mit, „IMI“ zusätzlich mit Nebenwerten.
- Kurs- oder Performance-Index: Der DAX rechnet Dividenden ein (Performance), der S&P 500 nicht (Kurs). Deshalb sind Punktestände nicht vergleichbar.
- Konzentration: Wenige Riesen dominieren – die zehn größten Titel sind rund ein Viertel des MSCI World.
So lief der MSCI World seit 2010 – gegen Gold
Index: 100 am Ende von 2009, Kalenderjahresrenditen in US-Dollar, ohne Kosten und Steuern. Vergangenheit ist keine Prognose. Quellen: MSCI: MSCI World Index Factsheet (Net Returns, USD) · LBMA: Gold Price (PM) – Jahresendwerte · CoinMarketCap / CoinGecko: Bitcoin-Jahresschlusskurse · Deutsche Bundesbank: Zinsstatistik, täglich fällige Einlagen privater Haushalte
Geschichte
- 1884 – Der Journalist Charles Dow veröffentlicht einen Durchschnitt aus Aktienkursen, damals vor allem von Eisenbahngesellschaften. Er gilt als einer der ersten Aktienindizes.
- 1896 – Der Dow Jones Industrial Average startet mit zwölf Industrieunternehmen. Er wird bis heute nach Kursen gewichtet – eine Methode aus einer Zeit, in der man noch von Hand rechnete.
- 1957 – Der S&P 500 erscheint in seiner heutigen Form mit 500 Unternehmen. Er wird zum wichtigsten Maßstab für den US-Aktienmarkt.
- Ende 1960er – Die Vorläufer des heutigen Anbieters MSCI veröffentlichen erste Indizes für Aktienmärkte außerhalb der USA. Daraus entsteht unter anderem der MSCI World.
- 1971 – Mit der neuen elektronischen Börse NASDAQ entsteht der NASDAQ Composite, der später stark von Technologiewerten geprägt wird.
- 1984 – In London startet der FTSE 100 mit den 100 größten britischen Unternehmen.
- 1988 – Der Deutsche Aktienindex DAX wird eingeführt, mit 30 Werten und einem Basiswert von 1.000 Punkten. Er ist ein Performance-Index, rechnet Dividenden also ein.
- 1998 – Kurz vor Einführung des Euro wird der Euro Stoxx 50 aufgelegt, der die 50 großen Unternehmen der Eurozone abbildet.
- 2021 – Der DAX wird von 30 auf 40 Unternehmen erweitert, und die Aufnahmeregeln werden verschärft – auch als Reaktion auf den Wirecard-Skandal.
Gut zu wissen
Wie ein Index berechnet wird
Ein Index ist eine Formel: Die Kurse aller enthaltenen Aktien werden nach einer festen Regel gewichtet und zu einer Zahl zusammengefasst. Bei den meisten großen Indizes zählt der Börsenwert der frei handelbaren Aktien – ein Konzern, der doppelt so viel wert ist, zählt doppelt so viel. Manche Indizes begrenzen das Gewicht einzelner Firmen, damit keine zu dominant wird. Der Punktestand selbst hat keine Bedeutung; aussagekräftig ist nur, um wie viel Prozent er sich verändert.
Wer bestimmt, was drinsteckt
Indizes gehören Indexanbietern wie MSCI, S&P Dow Jones Indices, FTSE Russell oder STOXX, die zur Deutschen Börse gehört. Sie veröffentlichen ein Regelwerk mit Kriterien wie Größe, Handelsvolumen und Streubesitz und überprüfen die Zusammensetzung regelmäßig, meist vierteljährlich. Wird eine Aktie neu aufgenommen, müssen alle Fonds, die den Index nachbilden, sie kaufen – das kann den Kurs um den Stichtag herum bewegen. Firmen, die schrumpfen, fliegen heraus; ein Index zeigt deshalb immer die Gewinner von heute, nicht die von gestern.
Brutto, netto, Kurs: dieselbe Börse, drei Zahlen
Ein Kursindex zeigt nur Kursbewegungen, ein Performance-Index (Total Return) rechnet Dividenden ein. MSCI veröffentlicht zusätzlich Net- und Gross-Varianten: Net zieht von den Dividenden typische Quellensteuern ab, Gross nicht. Wenn du einen ETF mit seinem Index vergleichst, achte darauf, welche Variante als Maßstab dient.
Wozu Indizes im Alltag dienen
Indizes sind Stimmungsbarometer in den Nachrichten, Maßstab (Benchmark) für Fondsmanager und Grundlage für ETFs, Zertifikate und Terminkontrakte. Direkt kaufen kannst du einen Index nicht. In Deutschland nutzt du ihn meist über einen ETF; daneben gibt es Indexzertifikate, bei denen du allerdings das Ausfallrisiko der ausgebenden Bank trägst. Auch Aufnahmeregeln und Ländereinstufungen eines Index entscheiden darüber, was in deinem Depot landet.
Typische Anfängerfehler
- ✕ Punktestände verschiedener Indizes vergleichen – 40.000 Punkte sind nicht „mehr“ als 5.000.
- ✕ Den DAX für ein Abbild der deutschen Wirtschaft halten, obwohl viele DAX-Konzerne den Großteil ihres Umsatzes im Ausland machen.
- ✕ Kurs- und Performance-Indizes miteinander vergleichen.
- ✕ Aus „Index“ schließen, dass etwas risikolos ist – auch breite Indizes können zeitweise sehr stark fallen.
- ✕ Einen Rekordstand automatisch als Warnsignal oder als Bestätigung deuten.
- ✕ Vor dem Kauf eines ETFs nicht nachsehen, nach welchen Regeln sein Index aufgebaut ist.
Was diskutiert wird
Nach Börsenwert oder gleich gewichten?
Befürworter der Gewichtung nach Börsenwert sagen, sie bilde den Markt so ab, wie er ist, und verursache wenig Umschichtung und damit wenig Kosten. Kritiker bemängeln, dass dadurch immer mehr Geld in die ohnehin größten und oft teuersten Firmen fließt. Gleichgewichtete Indizes streuen gleichmäßiger, müssen aber häufiger umgeschichtet werden und verhalten sich in manchen Marktphasen ganz anders.
Die Macht der Indexanbieter
Ob ein Land als Industrie- oder Schwellenland gilt oder ob ein Markt überhaupt aufgenommen wird, entscheiden private Indexanbieter. Weil Billionen in Indexfonds stecken, lenken diese Entscheidungen große Geldströme. Befürworter sagen, transparente Regeln und Konsultationen mit Investoren machten das Verfahren fair. Kritiker meinen, wenige Unternehmen bekämen damit fast politischen Einfluss, ohne dafür demokratisch verantwortlich zu sein.
Was ein Leitindex leisten soll
Nach dem Wirecard-Skandal wurde diskutiert, ob ein Leitindex nur Größe abbilden oder auch Mindeststandards bei Gewinn und Unternehmensführung verlangen sollte. Befürworter strengerer Regeln sagen, ein DAX-Mitglied stehe für Vertrauen. Kritiker antworten, ein Index solle den Markt neutral abbilden und keine Qualitätsurteile fällen – dafür seien Aufsicht und Wirtschaftsprüfer zuständig.
Quellen: STOXX / Deutsche Börse – Leitfaden zu den DAX-Indizes · MSCI – Index-Methodik und Factsheets zum MSCI World · S&P Dow Jones Indices – Methodik des S&P 500. Keine Prognosen, keine Empfehlungen.
Indizes · 12
- S&P 500Standard & Poor'sAktienindex · USA
- MSCI WorldMSCIAktienindex · 23 Industrieländer
- MSCI ACWIMSCI All Country WorldAktienindex · 47 Länder
- MSCI Emerging MarketsMSCIAktienindex · 24 Schwellenländer
- FTSE All-WorldFTSE Russell (London Stock Exchange Group)Aktienindex · über 45 Länder
- DAXDeutsche BörseAktienindex · Deutschland
- Nasdaq 100NasdaqAktienindex · USA
- Euro Stoxx 50STOXX (Deutsche Börse)Aktienindex · Eurozone
- STOXX Europe 600STOXXAktienindex · 17 europäische Länder
- Nikkei 225Nikkei (Zeitung)Aktienindex · Japan
- Dow Jones Industrial AverageS&P Dow Jones IndicesAktienindex · USA
- MDAXDeutsche BörseAktienindex · Deutschland