Finanzwelt

Rohstoffe

Gold, Silber, Öl, Kupfer: Woher der Preis kommt und wie man investieren kann.

Rohstoffe – Gold, Silber, Öl, Kupfer – werfen keine Zinsen oder Dividenden ab; ihr Preis entsteht allein aus Angebot und Nachfrage. Gold ist dabei ein Sonderfall: Es wird kaum verbraucht, dient Zentralbanken als Reserve und gilt als Krisenanker. Industriemetalle und Energie folgen der Konjunktur und sind für Privatanleger meist nur über Zertifikate oder ETCs zugänglich, die eigene Tücken haben (Rollkosten).

Worauf du achten solltest

  • Zugang: physisch (Gold, Silber), ETC mit physischer Hinterlegung (Xetra-Gold) oder Zertifikate auf Terminkontrakte (Öl, Kupfer – mit Rollverlusten).
  • Steuern: Physisches Gold und physisch hinterlegte Gold-ETCs sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei; Silber unterliegt beim Kauf der Mehrwertsteuer.
  • Rolle im Depot: meist kleine Beimischung (5–10 %), nicht das Fundament.
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So lief Gold seit 2010 – gegen den MSCI World

Gold, MSCI World (Aktien weltweit)0200400600200920122015201820212024
GoldMSCI World (Aktien weltweit)Tippe auf das Diagramm für Werte

Index: 100 am Ende von 2009, Kalenderjahresrenditen in US-Dollar, ohne Kosten und Steuern. Vergangenheit ist keine Prognose. Quellen: MSCI: MSCI World Index Factsheet (Net Returns, USD) · LBMA: Gold Price (PM) – Jahresendwerte · CoinMarketCap / CoinGecko: Bitcoin-Jahresschlusskurse · Deutsche Bundesbank: Zinsstatistik, täglich fällige Einlagen privater Haushalte

Geschichte

  1. um 600 v. Chr. – Im Königreich Lydien in Kleinasien entstehen die ersten geprägten Münzen aus einer Gold-Silber-Legierung. Edelmetall wird damit zu standardisiertem Geld.
  2. 1848 – In Chicago wird das Chicago Board of Trade gegründet. Dort entsteht der Handel mit standardisierten Terminkontrakten auf Getreide – die Grundlage heutiger Rohstoffbörsen.
  3. 1870er – Das Deutsche Kaiserreich führt mit der Mark eine Goldwährung ein, viele Länder folgen. Der Goldstandard prägt das Geldsystem bis zum Ersten Weltkrieg.
  4. 1944 – Im Abkommen von Bretton Woods wird der US-Dollar fest an Gold gebunden, die anderen großen Währungen an den Dollar.
  5. 1971 – US-Präsident Nixon beendet den Umtausch von Dollar in Gold. Damit endet das Bretton-Woods-System; Gold wird ein frei gehandelter Rohstoff, Währungen werden reines Papiergeld.
  6. 1973 – Die erste Ölkrise: Arabische Förderländer drosseln ihre Lieferungen, der Ölpreis vervielfacht sich. In Deutschland gibt es autofreie Sonntage.
  7. 2000er – Börsengehandelte Gold-Wertpapiere (ETCs) kommen auf, in Deutschland etwa Xetra-Gold. Gold wird damit so einfach handelbar wie eine Aktie.
  8. 2020 – Im April fällt der Preis für einen US-Öl-Terminkontrakt kurzzeitig unter null: Wegen Corona fehlen Lagerkapazitäten, Händler zahlen dafür, Verträge loszuwerden. Ein drastisches Beispiel dafür, wie Terminmärkte funktionieren.
  9. 2022 – Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine steigen die Preise für Gas, Öl und Getreide stark. Energiepreise werden zu einem Hauptgrund für die hohe Inflation in Europa.

Gut zu wissen

Welche Rohstoffe es gibt

Grob unterscheidet man Energie (Öl, Gas, Kohle), Edelmetalle (Gold, Silber, Platin), Industriemetalle (Kupfer, Aluminium, Nickel) und Agrarrohstoffe (Weizen, Kaffee, Kakao, Vieh). Jede Gruppe hat eigene Preistreiber: Wetter und Ernten bei Agrargütern, Konjunktur und Industrie bei Metallen, Förderpolitik und Geopolitik bei Energie. Rohstoffe lassen sich lagern, transportieren und verbrauchen – das unterscheidet sie grundlegend von Aktien.

Terminkontrakte und Rollen

Der Großteil des Rohstoffhandels läuft über Terminkontrakte (Futures): Vereinbarungen, eine bestimmte Menge zu einem festen Preis an einem künftigen Termin zu liefern. Produzenten und Verbraucher – etwa ein Landwirt oder eine Fluggesellschaft – sichern sich so Preise ab; Spekulanten übernehmen das Risiko und sorgen für Handel. Finanzanleger wollen den Rohstoff nicht geliefert bekommen und tauschen auslaufende Kontrakte deshalb rechtzeitig in spätere um („Rollen“). Ist der spätere Kontrakt teurer (Contango), entstehen Rollverluste; ist er billiger (Backwardation), Rollgewinne.

Die Sonderrolle von Gold

Fast alles Gold, das je gefördert wurde, existiert noch, weil es kaum verbraucht wird. Die Nachfrage kommt aus Schmuck, Industrie, von Anlegern und von Zentralbanken, die Gold als Reserve halten – die Deutsche Bundesbank besitzt einen der größten Goldschätze der Welt. Gold wird in US-Dollar gehandelt, deshalb beeinflusst auch der Wechselkurs, was es in Euro kostet. Weil Gold keine Zinsen abwirft, wird oft beobachtet, dass es bei hohen Realzinsen unattraktiver erscheint – ein fester Zusammenhang ist das aber nicht.

Zugang in Deutschland

Edelmetalle kannst du physisch als Barren oder Münzen kaufen; dann zählen der Abstand zwischen An- und Verkaufspreis beim Händler und die sichere Lagerung. Über die Börse gibt es ETCs, die rechtlich Schuldverschreibungen sind – manche sind mit physischem Metall hinterlegt, andere bilden Terminkontrakte ab. Klassische europäische Fonds (UCITS) dürfen nicht nur einen einzelnen Rohstoff halten; Rohstoff-ETFs bilden deshalb meist breite Indizes über Tauschgeschäfte ab. Aktien von Minen- oder Ölkonzernen sind eine indirekte Variante mit ganz eigenen Unternehmensrisiken.

Typische Anfängerfehler

  • ✕ Von Gold laufende Erträge erwarten – es zahlt weder Zinsen noch Dividenden.
  • ✕ Rollkosten bei Öl- oder Gas-Zertifikaten übersehen und sich wundern, warum das Produkt dem Ölpreis nicht folgt.
  • ✕ Beim Münzkauf hohe Aufschläge kleiner Stückelungen und den Händler-Spread ignorieren.
  • ✕ Edelmetalle zu Hause ungesichert und unversichert lagern.
  • ✕ Minenaktien mit dem Rohstoff selbst gleichsetzen.
  • ✕ Mit Hebelprodukten oder CFDs auf Rohstoffpreise wetten.
  • ✕ Aus Krisenschlagzeilen heraus in Panik kaufen.

Was diskutiert wird

Gold als Krisenschutz?

Befürworter sagen, Gold habe über Jahrhunderte seinen Wert behalten, sei von keiner Bank oder Regierung abhängig und habe sich in manchen Krisen stabil gehalten, während Aktien fielen. Kritiker halten dagegen, dass der Goldpreis selbst stark schwankt, über lange Phasen auch real an Wert verloren hat und als Inflationsschutz nur über sehr lange Zeiträume zuverlässig wirkt. Offen ist auch, wie viel der Nachfrage einfach auf Angst beruht.

Breite Rohstoffindizes im Depot

Befürworter sehen Rohstoffe als Ergänzung, die sich anders verhält als Aktien und Anleihen und etwa bei Energiepreisschocks gefragt ist. Kritiker verweisen darauf, dass Rohstoffe selbst keine Erträge erwirtschaften und Anleger über Futures vor allem die Rollrendite bekommen – die über lange Phasen negativ war. Wie groß der Streuungsvorteil wirklich ist, hängt stark vom betrachteten Zeitraum ab.

Spekulation mit Nahrungsmitteln

Kritiker, darunter Entwicklungsorganisationen, argumentieren, dass Finanzanleger an den Terminmärkten Preisschwankungen bei Weizen oder Mais verstärken – mit Folgen für Menschen in armen Ländern. Befürworter der Terminmärkte halten dagegen, dass Spekulanten Landwirten die Absicherung erst ermöglichen und Preise vor allem von Ernten, Wetter und Politik bestimmt werden. Die Forschung dazu kommt zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Rohstoffe für die Energiewende

Für Batterien, Windräder und Stromnetze braucht es Metalle wie Lithium, Kupfer und seltene Erden, deren Förderung oft auf wenige Länder konzentriert ist. Die einen sehen darin vor allem ein Versorgungsrisiko, gegen das Europa eigene Förderung und Recycling aufbauen müsse. Andere betonen Umwelt- und Menschenrechtsprobleme beim Abbau und fragen, ob mehr Förderung der richtige Weg ist.

Quellen: Deutsche Bundesbank – Informationen zu den deutschen Goldreserven · World Gold Council – Berichte zur weltweiten Goldnachfrage · Internationale Energieagentur (IEA) – Berichte zu Öl- und Energiemärkten · BaFin – Verbraucherinformationen zu Zertifikaten, ETCs und CFDs. Keine Prognosen, keine Empfehlungen.

Ausführliche Profile

Rohstoffe · 3

Kurzprofile ohne Kurse und Bewertungen – die ändern sich täglich und gehören in ein Depot-Tool, nicht in eine Lern-App. Stammdaten (ISIN, Kosten, Gründungsjahr) Stand 2025; vor einem Kauf immer beim Anbieter prüfen. Rohstoff-Listen sind eine Auswahl der bekanntesten Werte, keine Rangliste und keine Empfehlung.