Aktien
DAX-Werte und die meistgehandelten internationalen Unternehmen – was sie tun und wovon sie abhängen.
Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Wer sie besitzt, ist Miteigentümer: Er profitiert, wenn das Unternehmen wächst und Gewinne ausschüttet – und trägt das Risiko, wenn es scheitert. Der Kurs entsteht an der Börse aus Angebot und Nachfrage; kurzfristig bewegen ihn Nachrichten und Stimmung, langfristig Umsatz, Gewinn und Zinsen.
Worauf du achten solltest
- Geschäftsmodell: Womit verdient das Unternehmen Geld, und wie wiederholbar ist das?
- Abhängigkeiten: wenige Kunden, ein Produkt, ein Land, ein Rohstoffpreis?
- Bewertung: Ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis heißt hohe Erwartungen – gut, solange sie erfüllt werden.
- Streuung: Einzelaktien sind das Risiko eines einzelnen Unternehmens. Deshalb bauen die meisten Anleger ihr Fundament mit ETFs und ergänzen Aktien nur als Beimischung.
So lief der weltweite Aktienmarkt (MSCI World) seit 2010
Index: 100 am Ende von 2009, Kalenderjahresrenditen in US-Dollar, ohne Kosten und Steuern. Vergangenheit ist keine Prognose. Quellen: MSCI: MSCI World Index Factsheet (Net Returns, USD) · LBMA: Gold Price (PM) – Jahresendwerte · CoinMarketCap / CoinGecko: Bitcoin-Jahresschlusskurse · Deutsche Bundesbank: Zinsstatistik, täglich fällige Einlagen privater Haushalte
Geschichte
- 1602 – In Amsterdam wird die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) gegründet. Ihre Anteile werden frei gehandelt – sie gilt als erste moderne Aktiengesellschaft, Amsterdam als erste Wertpapierbörse im heutigen Sinn.
- 1792 – 24 Makler unterzeichnen in New York unter einer Platane das „Buttonwood Agreement“. Daraus entsteht die New York Stock Exchange, bis heute die größte Börse der Welt.
- 1929 – Der Börsenkrach im Oktober 1929 leitet die Weltwirtschaftskrise ein. Als Reaktion entstehen in den USA strengere Regeln für Börsen und Unternehmen, 1934 wird die Börsenaufsicht SEC gegründet.
- 1971 – Mit der NASDAQ startet in New York die erste vollelektronische Börse. Sie wird später zur Heimat vieler Technologiekonzerne.
- 1996 – Die Deutsche Telekom geht als „Volksaktie“ an die Börse. Zum ersten Mal kaufen in Deutschland Millionen Menschen Aktien, die vorher nie welche besessen hatten.
- 2000 – Die Dotcom-Blase platzt: Internetfirmen, die oft noch keinen Gewinn machten, verlieren den Großteil ihres Börsenwerts. In Deutschland wird das Wachstumssegment „Neuer Markt“ wenige Jahre später geschlossen.
- 2008 – Mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September eskaliert die Finanzkrise. Aktienmärkte weltweit brechen ein und brauchen Jahre, um sich zu erholen.
- 2020 – Im Corona-Crash im März fallen die Kurse so schnell wie selten zuvor – und erholen sich ebenfalls ungewöhnlich schnell. Über Neobroker mit niedrigen Gebühren steigen in dieser Zeit besonders viele junge Menschen ein.
Gut zu wissen
Was du als Aktionär wirklich besitzt
Mit einer Aktie bekommst du Rechte: Du darfst auf der Hauptversammlung abstimmen, hast Anspruch auf einen Teil der ausgeschütteten Gewinne und im Fall einer Auflösung auf einen Teil des Restvermögens. Ob und wie viel Dividende gezahlt wird, entscheidet die Hauptversammlung auf Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat. Du haftest nur mit deinem Einsatz – mehr als das investierte Geld kannst du mit einer normalen Aktie nicht verlieren. Neben Stammaktien gibt es Vorzugsaktien, die meist kein Stimmrecht haben, dafür manchmal eine etwas höhere Dividende.
Erstausgabe und Handel unter Anlegern
Geld bekommt ein Unternehmen nur, wenn es neue Aktien ausgibt – beim Börsengang (IPO) oder bei einer Kapitalerhöhung. Danach werden die Aktien zwischen Anlegern weiterverkauft; dieser Handel ist der weitaus größte Teil des Börsengeschehens. Wenn du eine Aktie kaufst, kommt dein Geld also in aller Regel nicht beim Unternehmen an, sondern beim Verkäufer. Umgekehrt können Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen und so die Zahl der Anteile verringern.
Wie ein Kurs entsteht
Im Orderbuch stehen Kauf- und Verkaufsaufträge. Der höchste Kaufpreis heißt Geldkurs, der niedrigste Verkaufspreis Briefkurs, die Lücke dazwischen ist der Spread – eine versteckte Gebühr, die bei wenig gehandelten Aktien groß sein kann. Mit einer Market-Order kaufst du sofort zum nächsten verfügbaren Preis, mit einer Limit-Order legst du eine Grenze fest. In Deutschland wird unter anderem auf Xetra, an Regionalbörsen und auf außerbörslichen Plattformen gehandelt, an denen Market Maker laufend Preise stellen.
Wer am Markt mitmischt
Den Großteil des Handels machen nicht Privatleute, sondern Profis: Fondsgesellschaften, Versicherungen, Pensionskassen, Banken und Hochfrequenzhändler, deren Computer in Sekundenbruchteilen handeln. Dazu kommen Analysten, Ratingagenturen und Medien, die Erwartungen prägen. In Deutschland überwacht die BaFin den Wertpapierhandel. Insiderhandel und Marktmanipulation sind verboten und werden verfolgt.
So kommst du in Deutschland an Aktien
Du brauchst ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker und ein Verrechnungskonto. Viele Anbieter bieten auch Sparpläne auf Einzelaktien an. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen: Geht der Broker pleite, bleiben die Aktien dein Eigentum. Gewinne und Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (gegebenenfalls Kirchensteuer); bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person und Jahr bleiben Kapitalerträge per Freistellungsauftrag steuerfrei. Bei ausländischen Aktien wird auf Dividenden zum Teil zusätzlich Quellensteuer im Herkunftsland einbehalten.
Typische Anfängerfehler
- ✕ Alles auf eine oder wenige Aktien setzen – oft auf den eigenen Arbeitgeber oder die Lieblingsmarke.
- ✕ Im Crash aus Angst verkaufen und den Verlust damit endgültig machen.
- ✕ Tipps aus Social Media, Foren oder Chatgruppen ungeprüft folgen.
- ✕ Einen niedrigen Stückpreis mit „billig“ verwechseln – entscheidend ist die Bewertung, nicht der Preis pro Aktie.
- ✕ Gebühren und Spreads bei häufigem Kaufen und Verkaufen unterschätzen.
- ✕ Geld anlegen, das in den nächsten Jahren gebraucht wird.
- ✕ Bei fallenden Kursen immer weiter nachkaufen, ohne zu prüfen, warum die Aktie fällt.
Was diskutiert wird
Einzelaktien auswählen oder breit streuen?
Befürworter der Einzelaktie sagen, wer ein Unternehmen gründlich versteht, kann gezielt auswählen und lernt dabei viel über Wirtschaft. Kritiker verweisen auf Auswertungen wie die SPIVA-Berichte, nach denen die meisten professionellen Fondsmanager ihren Vergleichsindex über lange Zeiträume nicht schlagen. Dazu kommt: Ein großer Teil der langfristigen Marktgewinne stammt von relativ wenigen Unternehmen – wer sie nicht erwischt, liegt zurück.
Dividenden oder Wachstum?
Dividendenfans schätzen regelmäßige Auszahlungen und sehen darin ein Zeichen für ein solides Geschäft. Kritiker halten dagegen, dass eine Dividende kein Geschenk ist: Der Kurs sinkt am Tag der Ausschüttung ungefähr um ihren Betrag, und die Steuer wird sofort fällig. Unternehmen, die Gewinne lieber investieren, können für Aktionäre genauso viel oder mehr erwirtschaften – oder eben nicht.
Aktienrückkäufe – Belohnung oder Kurzsichtigkeit?
Befürworter sehen Rückkäufe als flexible Art, überschüssiges Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Kritiker sagen, Rückkäufe schönen Kennzahlen wie den Gewinn pro Aktie, an die Managergehälter gekoppelt sind, und fehlen am Ende bei Investitionen, Forschung oder Löhnen. Besonders in den USA wird darüber auch politisch gestritten.
Nachhaltig investieren (ESG)
Befürworter sagen, Umwelt-, Sozial- und Führungsrisiken früh zu erkennen, sei schlicht gutes Risikomanagement – und Aktionäre könnten über Abstimmungen Druck machen. Kritiker bemängeln, dass Ratingagenturen dasselbe Unternehmen sehr unterschiedlich bewerten und „grün“ oft eher Marketing ist. Offen ist auch, ob nachhaltige Auswahl Rendite kostet, bringt oder kaum etwas ändert.
Quellen: BaFin – Verbraucherinformationen zu Wertpapieren und Geldanlage · Deutsches Aktieninstitut – Zahlen und Studien zur Aktienkultur in Deutschland · Bundesministerium der Finanzen – Informationen zur Abgeltungsteuer · Verbraucherzentrale – Ratgeber zur Geldanlage in Wertpapieren. Keine Prognosen, keine Empfehlungen.
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